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Workshop 2009

Rencontre des 8 et 9 octobre 2009
Maison de la Recherche, Paris

workshop-2009.jpgDer Workshop "Espace-Arts-Lettres" des Trinationalen Graduiertenkollegs "Gründungsmythen Europas in Literatur, Kunst und Musik" wurde vom 8 bis zum 9 Oktober 2009 von der Sorbonne in der Maison de la Recherche in Paris ausgerichtet. Das zentrale Anliegen dieser Tagung war es, den Kollegiaten ein Forum zu bieten, auf dem sie den Stand der seit nun ca. einem Jahr laufenden Forschungsvorhaben im Rahmen des Trinationalen Graduiertenkollges vorstellen und diskutieren konnten. Die Universität Paris IV-Sorbonne wurde durch die Professoren Michel Delon, Marie-Thérèse Mourey, Pierre Frantz, Jacques Berchtold, Jean-Pierre Bartoli, die Auslandskoordinatorin Nadine Marchand-Tollet, sowie die Repräsentantin des Pôle des Relations Internationales, Mme Dolores Sobrino, vertreten. Die Università degli Studi di Firenze wurde von den Professoren Giovanna Angeli, Patrizio Collini, Lucia Bruschi Borghese, Vivetta Vivarelli vertreten und von der Universität Bonn waren angereist die Professoren Michael Bernsen, Anne-Marie Bonnet, Claudia Wich-Reif, Werner Gephart, Helmut J. Schneider, Thomas A. Schmitz sowie der wissenschaftliche Koordinator des Kollegs Rolf Lohse.

In Vorträgen wiesen die neun Kollegiaten vor den Professoren der drei Universitäten die Fortschritte ihrer Arbeiten nach. Sechs der Kollegiaten, die im laufenden Jahr in das Kolleg eintreten und ihre Arbeit aufnehmen werden, waren ebenfalls an der Tagung anwesend und nutzten die Gelegenheit, ihre Forschungsvorhaben vorzustellen und in die Diskussion einzusteigen. Ergänzt wurden die Berichte aus den laufenden und den anstehenden Forschungsvorhaben durch drei Input-Vorträge, in denen die drei leitenden Professorinnen und Professoren Fallstudien in dem komplexen Feld von Mythenbildung und Mythenverwendung diskutierten.

Das Atelier wurde am Donnerstag den 8. Oktober 2009 durch Giovanna Angeli (Sprecherin des Kollegs für die Universität Florenz), Michel Delon (Sprecher des Kollegs für die Universität Sorbonne Paris IV) und Michael Bernsen (Sprecher des Kollegs) eröffnet.

Die Präsentationen der vortragenden Kollegiaten wurden für diesen Workshop in 3 Sektionen zusammengefasst, die unter den Kernbegriffen Espaces, Arts und Lettres standen Unter der Leitung von Michel Delon präsentierte die Sektion Espace ihre Arbeiten:

  • Patrick Stoffel (Bonn): «L’homme descend des montagnes. Les Alpes dans le débat de l’origine de la civilisation au XVIIIe siècle» Patrick Stoffel spielte in seinem Vortrag verschiedene Verortungen von Ursprungsgeschichten in dem europäischsten aller Gebirge durch.
  • Giulia Romanelli (Florenz): «Le Mythe d’Icare au XXe siècle» In ihrem Vortrag zeigt Giulia Romanelli die Relevanz dieser mythischen Figur für die gesamteuropäische Literatur im 20. Jh. anhand von Romanen wie Der Kleine Prinz (Saint-Exupéry) oder Der Baron auf den Bäumen (Calvino). Insbesondere das Verhältnis von Unschuld und Kindlichkeit, von Autorität und Revolte sowie der Akt der Grenzüberschreitung stehen im Zentrum ihrer Untersuchung.
  • Laura Witschel (Bonn): «Idées et visions européennes: de Charles-Irénée Castel de Saint-Pierre (1658-1743) jusqu’à nos jours»
    Laura Witschel stellte zentrale Aussagen des Abbé St. Pierre zu einem Europa der Zukunft vor.

Es folgte der Fachvortrag von Michael Bernsen: «Les dimensions européennes des mythes fondateurs nationaux: l’histoire d’Arminius».

Anschließend wurden alle Teilnehmer im Hauptgebäude der Sorbonne vom Präsidenten der Universität feierlich empfangen.

Am Freitag, den 9. Oktober 2009, trugen vormittags unter der Leitung von Herrn Bernsen die Doktoranden der Sektion Arts vor:

  • Matthieu Cailliez (Paris): «La circulation des œuvres lyriques du théâtre musical comique en Europe entre 1815 et 1848 : une circulation asymétrique ?»
    Matthieu Cailliez stellte in seinem Vortrag die Frage nach der unterschiedlich ausgeprägten Rezeption der landesspezifischen komischen Musiktheatergattungen Italiens, Frankreichs und Deutschlands, Opera buffa, Opérette musicale und Komische Oper in den jeweils anderen Ländern und diskutierte die wechselseitige Beeinflussung, landesspezifische Vorlieben sowie die Frage von kultureller Dominanz.
  • Daniel Rakovsky (Paris): «L’Europe et le mythe de l’individu divisé : asymétrie du visage et double-face dans la peinture de la Renaissance»
    Anhand eines weit gespannten Bilderbogens von der Renaissance zur Moderne und zurück präsentierte Herr Rakovsky das kulturelle Paradigma der Symmetrie in der Porträtdarstellung.
  • Kerstin Stamm (Bonn) : «Europas Kulturerben. Überlegungen zum Architekturerbe und Perspektiven der Verortung europäischer Identität»
    Am Beispiel des Europäischen Kulturerbesiegels unterstrich die Referentin den politischen Aspekt eines kunstgeschichtlich begründeten Konzepts gemeinsamen kulturellen Erbes.

Gefolgt von einem Fachvortrag von Giovanna Angeli: «Autour du mythe de Pygmalion», der die Verwendung dieses Mythos im Mittelalter herausarbeitete und dies an dem französischen Roman de renart demonstrierte, dem Fuchsroman. Es zeigte sich, dass der Mythos von Pygmalion eine Konträrfunktion zum Mythos von Narziss besaß.
Anschließend wurde die Teilnehmer vom Chefkoch des CROUS, des französischen Studentenwerks an der Sorbonne, bewirtet.

Die letzte Vortragsreihe zum Thema Lettres wurde von Frau Giovanna Angeli geleitet:

  • Corinna Sigmund (Bonn): «Le livre illisible»
    Corinne Sigmund zeigte an verschiedenen europäischen Schriftstellern des 20 Jhs. (Proust, Okopenko, Musil, Mallarmé) literarische Gestaltungen des Versuchs, ein allumfassendes Buch zu verfassen, und verwies auf die Grenzen dieser Versuche. Überdies thematisierte sie die Schwierigkeiten einer Definition und Klassifikation von Literatur, die sich selbst verneint, unlesbar bzw. unvollendet ist.
  • Elisabetta Terigi (Florenz): «Elementi mitici nella poesia espressionista di Yvan Goll» Frau Terigi zeigte in ihrem Vortrag «Elementi mitici nella poesia espressionista di Yvan Goll», wie sensibel dieser Schriftsteller in seinem bewegten Leben auf die Mythen unterschiedlichster Provenienz reagierte; eine Sensibilität, deren Grund sie in der Heimatlosigkeit Golls vermutet.
  • Lena Sundheimer (Bonn): «Hölle und Hades in den Werken Thomas Manns» Lena Sundheimer arbeitete wichtige Motive der europäischen Kultur bei Mann heraus und diskutierte die verschiedenen Funktionen der Höllenfahrten im Hinblick auf Initiationsrituale und Identitätsfindung.

Die neuen Doktoranden stellten im Anschluss kurz ihre Promotionsthemen vor: Daniela Padularosa präsentierte ihr Vorhaben zu «Hugo Ball als Kulturdenker», das die Aspekte Kunst, Mystik und Psychoanalyse zu Beginn des 20. Jhs. besonders berücksichtigt. Daniel Wendts Projekt behandelt die Rezeption obszöner Texte der Antike in Frankreich im 17. und 18. Jh. Noga Mishliborskys Projekt ist der Erforschung der französischen Rezeption der Tragödienkonzeption Bruno Snells gewidmet. Irène Gayrauds Projekt «Traditions orfique dans la poésie au début du XXième siècle» verfolgt den Einfluss des Orpheusmythos auf die moderne Dichtung. Claudia Seidel thematisiert die Institutionalisierung des Museums als öffentlichen Ort um 1800 und die Konzeptualisierung dieses Prozesses bei Goethe. Toni Hildebrandt stellte sein Projekt zu einer Bildermappe der Europäischen Avantgardekunst vor, die im Bauhaus geplant wurde.

Michael Delon schloss die Tagung mit dem Fachvortrag «Une Europe du libertinage», in dem er die Faszination des 17. und 18. Jahrhunderts für den Mythos des Eros in verschiedenen Aspekten thematisierte.

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